Kurzzeitarbeitslosigkeit: ÖGB warnt vor gefährlichem System
Immer mehr Firmen schicken Beschäftigte nur für kurze Zeit in die Arbeitslosigkeit. Damit sparen sie Geld, doch die Folgen sind groß. Der ÖGB spricht von einem schädlichen System, das auf Kurzzeitarbeitslosigkeit basiert. Neue Zahlen zeigen: Das Problem betrifft zehntausende Menschen und belastet den Sozialstaat erheblich.
Warum das Zwischenparken im AMS ein großes Problem ist
Diese Summe zeigt auf, wie sehr unser Sozialstaat belastet wird. Dabei könnte dieses Geld in die Weiterbildung und Qualifizierung unserer arbeitenden Bevölkerung gesteckt oder besser eingesetzt werden. Stattdessen wird es dafür verwendet, die Lücken zu stopfen, die sich die Unternehmen selbst geschaffen haben. Für den ÖGB steht fest: So kann und darf unser System nicht weitergehen!
Wie Unternehmen durch Kurzzeitarbeitslosigkeit Geld sparen
Viele Firmen möchten ihre laufenden Kosten so weit wie möglich drücken. Wenn dann weniger Aufträge kommen, schickt man die Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit. Damit spart man Löhne, Sozialbeiträge und manchmal sogar Feiertagsentgelt. Manche Arbeitgeber wissen sogar genau, wer sich „freie Tage verdient“ hat. Ein klarer Missbrauch von Arbeitnehmerrechten, sagt dazu der ÖGB.
Kündigungen auf Kurzfristigkeit sind für den Betrieb sehr bequem. Keine Weiterbildung muß man bezahlen, keine Ausfälle hat man, keine langfristigen Verträge hat man zu berücksichtigen. Für die Beschäftigten aber ist dieses Verhalten eine Katastrophe. Sie verlieren viel Einkommen, sie müssen sich beim AMS melden, sie haben auf einmal kaum noch Spielraum für ihre Lebensplanung.
Vor allem aber sind es die Bereiche mit jahreszeitlichem Schwankungsbedarf, die darunter leiden. Bau, Tourismus oder Forstarbeit haben ihren natürlichen Rhythmus. Laut ÖGB geht es aber heute nicht mehr nur um die Saisonen. Das wurde heute zum Geschäftsmodell. Die Unternehmen richten ihre Personalkosten nach Belieben ein und lassen die finanziellen Folgen vom Staat tragen.
Damit entsteht ein Teufelskreis. Die Beschäftigten werden weniger eingeschult, weniger stabil eingesetzt, weniger wertgeschätzt. Damit schwächt man den Arbeitsmarkt. Österreich verliert an Qualifikation, warnt der ÖGB, denn Weiterbildung findet nicht statt, wenn laufend Menschen aus dem Arbeitsprozess gedrängt werden.
Welche Lösungen der ÖGB jetzt fordert
Der ÖGB möchte zudem klare Anreize für Weiterbildung schaffen. Denn die Menschen sollen sich gerade in Zeiten mit weniger Arbeit fort- und weiterbilden können, statt arbeitslos zu werden. Das verbessert ihre Chancen, an sichere, gut bezahlte Jobs zu gelangen. Heute passiert jedoch oft das Gegenteil: die Kurzzeit-Arbeitslosigkeit verhindert die Qualifizierung.
Ein weiterer Vorschlag geht in Richtung strengere Kontrolle. Unternehmen sollen vielmehr nachweisen müssen, warum eine kurzfristige Kündigung tatsächlich notwendig ist. Denn man will verhindern, dass Arbeitslose nur als einfache „Kostenstopper“ verwendet werden. Laut ÖGB wäre das ein erster Schritt zu einem faireren Arbeitsmarkt.
Warum ein gerechteres System allen zugutekommt
Eine stabilere Arbeitswelt bringt Vorteile für alle: Beschäftigte fühlen sich sicherer und können besser planen, unser Sozialstaat wird nicht so stark beansprucht und Unternehmen haben mehr davon, wenn sie gut geschulte Mitarbeiter haben, die gute Arbeit leisten. Ja, wir haben in Österreich ein starkes Sozialsystem, sagt der ÖGB. Aber dieses System funktioniert nur, wenn auch alle ihren Teil Verantwortung tragen, Unternehmen, Beschäftigte und Staat.
Das Zwischenparken belastet Beschäftigte und den Staat. Der ÖGB fordert deshalb klare Regeln und höhere Beiträge für Firmen, die das System ausnutzen. Weniger Kurzzeitarbeitslosigkeit bedeutet mehr Stabilität, mehr Chancen und einen stärkeren Arbeitsmarkt. Es ist Zeit, dieses Modell zu ändern.