Mit Stand vom 19. November 2025 wurden die Reisehinweise des österreichischen Außenministeriums für Äthiopien aktualisiert – insbesondere hinsichtlich der Gefährdungslage, die auf neuen Parametern basiert. Das Risikolevel für die Regionen Amhara und Tigray wird als hoch eingestuft (höchste Warnstufe, Stufe 4). Bestimmte Teile der Regionen Oromia, Gambella und Benishangul-Gumuz gelten als „hochriskant“ (Stufe 3). Diese Einschätzung ergibt sich aus einem anhaltend feindseligen interethnischen Klima: Einerseits breiten sich die interethnischen Gewalttaten weiter aus, andererseits kommen Drohnenangriffe vermehrt vor – teilweise sogar auf Straßen, die von humanitären Konvois genutzt werden.
Folgen für österreichische Unternehmen

Unmittelbare Auswirkungen auf Geschäftsmissionen in Äthiopien
Die aktualisierten Empfehlungen haben unmittelbare Konsequenzen für österreichische Unternehmen, die in Äthiopien tätig sind. Die Subunternehmer von Salini-Impregilo, die am Bau des Grand Ethiopian Renaissance Dam beteiligt sind, müssen nun unter deutlich strengeren Sicherheitsvorgaben arbeiten.
Zudem hat das in Wien ansässige Beratungsunternehmen Weltbank Consulting seine Mitarbeiter darüber informiert, dass jedes Projekt in Addis Abeba künftig auf der höchsten Ebene geprüft werden muss – nämlich direkt durch den CEO. Dieses neue Vorgehen verdeutlicht die Ernsthaftigkeit, mit der die Lage eingeschätzt wird.
Versicherungen, Expatriates und Mobilitätsmanagement
Die Versicherer reagieren ebenfalls: UNIQA hat seine Geschäftsreiseversicherung angepasst und schließt künftig Reisen in Hochrisikogebiete aus – es sei denn, es wird ein sehr kostspieliger Zusatz abgeschlossen, der bis zu 5 000 € pro Person für eine medizinische Evakuierungsdeckung umfasst.
Parallel dazu müssen Mobilitätsverantwortliche der Unternehmen ihre Risikobewertungen überarbeiten und erwägen, Dienstreisen etwa nach Nairobi oder Kigali vorübergehend zu reduzieren, bis sich die Lage sichtbar entspannt.
Risiken für Personal und Expatriates

Empfehlungen für österreichische Staatsangehörige
Österreichische Expatriates in Äthiopien werden aufgefordert, sich in der Auslandsservice-App des Außenministeriums (BMEIA) zu registrieren und sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Ein 72-Stunden-Notfallkit mit allen wichtigen Utensilien für Krisensituationen wird ausdrücklich empfohlen.
Die österreichische Botschaft in Addis Abeba hat außerdem Transitbereiche in Dschibuti ausgehandelt, um im Falle einer Land-Evakuierung handlungsfähig zu bleiben.
Die Reisehinweise warnen zudem vor willkürlichen Festnahmen. Daher wird den Österreichern geraten, digitale und physische Kopien ihrer Pässe getrennt voneinander aufzubewahren, um sie bei Kontrollen vorlegen zu können.
Pflichten für lokale Unternehmen
Unternehmen, die äthiopische Mitarbeitende beschäftigen, müssen ihre Verpflichtungen im Rahmen der Sorgfaltspflicht neu bewerten: Die instabile Sicherheitslage könnte Lieferketten beeinträchtigen, insbesondere bei lebenswichtigen Gütern wie Lebensmitteln oder Treibstoff. Solche Störungen können sowohl die Geschäftstätigkeit als auch die Beziehungen zu lokalen Mitarbeitenden belasten.

Diese jüngste Warnung der österreichischen Regierung unterstreicht die zunehmenden Spannungen in Äthiopien – insbesondere in den Regionen Amhara, Tigray, Oromia, Gambella und Benishangul-Gumuz. Für Unternehmen und ihre Beschäftigten lautet die klare Botschaft: erhöhte Wachsamkeit, Vorsicht und Vorbereitung sind unerlässlich. In einem instabilen und potenziell gefährlichen Umfeld sollten Sicherheit und Flexibilität die Mobilitätsentscheidungen bestimmen.