Gesundheitsversorgung: Kärnten reorganisiert sich

Kärnten startet eine ehrgeizige Reorganisation seiner Gesundheitsversorgung, um die Bevölkerung besser zu versorgen und die Belastung der Krankenhäuser zu verringern. Das Bundesland setzt auf einen massiven Ausbau ambulanter Strukturen mit einem klaren Ziel: weniger Krankenhausaufenthalte, mehr lokale Gesundheitsversorgung.

Kärnten: Regionaler Gesundheitsplan zur Stärkung der Versorgung vor Ort

Der Regionale Strukturplan Gesundheit (PRS) für die nächsten fünf Jahre zielt darauf ab, das Gesundheitssystem in Kärnten zu modernisieren. Er basiert auf drei Hauptsäulen: Ausbau der ambulanten Versorgung, Einrichtung von Primärversorgungszentren (CSP) und Entwicklung spezialisierter Ambulanzen.

Derzeit gibt es in Kärnten nur ein CSP in Klagenfurt. Mehrere weitere Zentren sind bereits in Planung: Spittal an der Drau, Villach, Wolfsberg und Bleiburg. Für Feldkirchen und St. Veit an der Glan liegen die Pläne bereits fertig vor. Das Ziel ist 15 CSP bis 2030, die spezialisierte Leistungen in Urologie, Augenheilkunde, Dermatologie und Frauengesundheit anbieten.

Andreas Huss, Präsident der ÖGK, betont die Bedeutung einer regionalen Planung und lehnt Zentralisierung ab: „Von Wien aus würde niemand hier ein Krankenhaus bauen. Dabei ist die Region dringend darauf angewiesen.“ Gesundheitsministerin Beate Prettner hebt die Entfernung hervor: „350 Kilometer von Wien entfernt kann keine Planung losgelöst von der Praxis stattfinden.“

Ausbau ambulanter Versorgung zur Entlastung der Krankenhäuser

Die Reorganisation setzt auf ambulante Versorgung, um unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und eine schnellere, lokale Betreuung der Bevölkerung zu gewährleisten. Die neuen CSP sind direkt an Krankenhäuser angebunden, um den Zugang und die Effizienz der Versorgung zu verbessern.

Ein konkretes Beispiel ist das Landeskrankenhaus Villach, wo ein Primärversorgungszentrum vor den Notaufnahmen eingerichtet wurde. Patienten ohne Notfallbedarf werden hier behandelt. Ergebnis: 87 % der Patienten können vor Ort versorgt werden, nur 13 % müssen ins Krankenhaus. Ein ähnliches Zentrum ist am Krankenhaus Klagenfurt geplant. Das Modell schont die Notaufnahmen und entlastet die Krankenhausdienste.

Kärntner Modell national anerkannt

Für Andreas Huss ist Kärnten ein Vorbild. Das Bundesland priorisiert die CSP „vorbildlich“. Das Modell soll in ganz Österreich ausgeweitet werden. Derzeit gibt es 114 Primärversorgungszentren, Ziel sind 150 bis Mitte 2026 und 300 bis 2030, sodass ein Drittel der Bevölkerung versorgt werden kann.

Die Zentren bieten zusätzlich ergänzende Leistungen wie Physiotherapie, Psychotherapie, Pflege und Wundversorgung. Ziel ist eine kontinuierliche Versorgung und die Reduzierung der Abhängigkeit von oft überlasteten Krankenhäusern.

Nachwuchsärzte und Teamarbeit

Georg Steiner von der ÖGK Kärnten erinnert daran, dass junge Ärzte Teamarbeit bevorzugen. Die neuen CSP bieten ein Umfeld für multidisziplinäre Zusammenarbeit, fördern den Nachwuchs und sichern die Qualität der Versorgung.

Die Kombination aus Primärversorgung, Spezialambulanzen und ambulanten Diensten schafft ein integriertes Netzwerk, das lokale Bedürfnisse abdeckt und gleichzeitig das medizinische Angebot im Bundesland modernisiert.

Prävention und Nähe im Fokus der Reform

Die Reorganisation markiert einen Wendepunkt hin zu Prävention und Nähe. Durch den Ausbau ambulanter Strukturen und CSP will Kärnten unnötige Krankenhausaufenthalte reduzieren, schnelle Versorgung gewährleisten und Ressourcen effizienter nutzen.

Moderne, in Krankenhäuser integrierte Infrastrukturen und ein regional vernetztes System sollen die Effizienz steigern und die Patientenerfahrung verbessern.

Die Reform der Gesundheitsversorgung in Kärnten kombiniert Nähe, Prävention und Modernisierung. Mit der Erweiterung der CSP und dem Ausbau ambulanter Dienste bietet das Bundesland eine lokal angepasste Versorgung, entlastet Krankenhäuser und schafft ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem.

Dieses Thema wird auch in einer weiteren Analyse behandelt, die hier abgerufen werden kann.

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