Students focused on schoolwork in a classroom setting, highlighting diversity and education.

AHS vs BHS: Warum die Abbruchquoten unterschiedlich sind und wie das Jugendcoaching unterstützt

In Österreich verlässt fast jeder dritte Schüler einer BHS die Schule ohne Abschluss, während es bei den AHS nur jeder vierte ist. Diese Unterschiede spiegeln strukturelle Unterschiede zwischen den Oberstufen wider, die mit der Dauer der Ausbildung, den theoretischen und praktischen Anforderungen sowie der Vielfalt der Schülerprofile zusammenhängen. In diesem Kontext bietet das Jugendcoaching eine gezielte Begleitung und unterstützt Jugendliche individuell, die mit schulischen Schwierigkeiten oder einem Risiko des Schulabbruchs konfrontiert sind.

AHS und BHS: zwei Schultypen, unterschiedliche Ansätze

Die AHS (Allgemeinbildende Höhere Schule) vermittelt über vier Jahre eine theoretische Ausbildung, die die Schulstufen 9 bis 12 umfasst und mit der Reifeprüfung abschließt. Die Fächer variieren je nach Schwerpunkt: Sprachen, Naturwissenschaften oder Wirtschaft. Absolvent:innen erhalten Zugang zu allen Arten von Hochschulen, ohne eine spezifische Berufsausbildung zu erhalten.

Die BHS (Berufsbildende Höhere Schule) kombiniert über fünf Jahre die Reifeprüfung mit einer vollständigen beruflichen Ausbildung. Dies entspricht rund 3.500 zusätzlichen Unterrichtsstunden im Vergleich zur AHS. Absolvent:innen können direkt ins Berufsleben einsteigen oder weiterstudieren. Die Vielfalt der Schüler:innen und die Doppelbelastung durch Theorie und Praxis tragen maßgeblich zu den Unterschieden in den Erfolgsquoten bei.

Teacher and diverse students high-five in a lively classroom setting.

Abbruchquoten: zentrale Zahlen

In der AHS verlassen etwa 25 % der Schüler:innen die Schule ohne Abschluss. Das erste Jahr ist besonders kritisch: 11 % brechen vor dem zweiten Jahr ab. In der BHS liegt die Abbruchquote bei 35 %, mit 17 % Abbrüchen bereits im ersten Jahr. Die längere Ausbildungsdauer und die kombinierte Belastung erhöhen die Phasen mit erhöhtem Risiko.

Die schulische Herkunft und die Alltagssprache beeinflussen die Erfolgsquote stark. Ehemalige AHS-Schüler:innen sind in der BHS erfolgreicher (88,9 %) als jene aus anderen Schulformen (71,2 %). Schüler:innen, deren Alltagssprache nicht Deutsch ist, weisen Abbruchquoten zwischen 39 und 54 % auf, während Deutschsprachige zwischen 23 und 31 % liegen.

Gründe für höhere Abbruchquoten in der BHS

Die Doppelbelastung durch akademische und berufliche Anforderungen stellt eine große Herausforderung dar. Die Schüler:innen müssen gleichzeitig die Anforderungen der Reifeprüfung und der beruflichen Ausbildung erfüllen. Die längere Dauer und die Vielfalt der Schülerprofile erhöhen das Risiko von Demotivation, finanziellen Problemen oder persönlichen Krisen.

Fehlgeleitete Erwartungen verschärfen das Problem: Der Begriff „berufliche Ausbildung“ zieht Schüler:innen an, die mehr Praxis und weniger Theorie erwarten. Das theoretische Niveau bleibt jedoch hoch, was zu Überforderung führen kann. Die heterogene Klassenstruktur erschwert zudem die Bildung stabiler Lerngruppen, die für schulischen Erfolg wichtig sind.

Kritische Phasen und Risikogruppen

Das erste Jahr der Oberstufe ist die sensibelste Phase. Der Übergang zu einem höheren Lerntempo und neuen Mitschüler:innen führt häufig zu Abbrüchen. Besonders gefährdet sind Wiederholer:innen, Schüler:innen aus Mittelschulen oder mit Migrationshintergrund. Sprachliche Barrieren und kulturelle Unterschiede können das Verständnis und die Integration erschweren, wodurch das Risiko eines Schulabbruchs steigt.

Die Altersgruppe von 14 bis 16 Jahren ist entscheidend: Jugendliche treffen wichtige Bildungsentscheidungen, ohne die langfristigen Konsequenzen vollständig überblicken zu können.

Jugendcoaching: gezielte Prävention

Das Jugendcoaching ist ein freiwilliges und kostenloses Unterstützungsangebot ab der 9. Schulstufe. Es umfasst drei Interventionsstufen:

  • Erstgespräche, um individuelle Unterstützungsbedarfe zu klären
  • Beratung und Fallmanagement für Berufsorientierung und Entscheidungsfindung
  • Intensive Begleitung bis zu einem Jahr für Jugendliche mit erhöhtem Unterstützungsbedarf

Eine wissenschaftliche Evaluation von 2021 zeigt eine durchschnittliche Begleitdauer von 97,6 Tagen und eine effektive Abdeckung: 14 % der Jugendlichen in der Oberstufe und bis zu 53 % der Pflichtschüler profitieren vom Programm.

Konkretes Vorgehen des Jugendcoachings

Child in colorful classroom learning with attentive teacher, fostering education and growth.

Die Coaches erkennen frühzeitig Warnsignale wie schlechte Noten, Fehlzeiten oder Motivationsverlust. Sie schlagen Alternativen vor, etwa einen Wechsel der Schulform, und koordinieren mit Lehrkräften, Schulpsycholog:innen und Sozialarbeiter:innen, um passgenaue Unterstützung zu gewährleisten. Der direkte Zugang an der Schule und die Vertraulichkeit des Angebots senken die Hemmschwelle, wodurch Hilfe sofort und praxisnah verfügbar ist.

In AHS besteht die besondere Herausforderung darin, Schüler:innen, die als „Elite“ gelten, zur Nutzung der Unterstützung zu motivieren. Dennoch bleibt das Jugendcoaching ein wesentliches Instrument für kritische Bildungsentscheidungen und die Prävention von Schulabbrüchen.

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