Kürzungen beim Jugendcoaching in Österreich: Wie Sie Ihr Kind dennoch effektiv bei der Berufs- und Bildungsorientierung unterstützen können
Für das Jahr 2025 wurde das Budget für das Jugendcoaching in Österreich mit 72,5 Millionen Euro festgelegt. Das bedeutet eine Kürzung von 33 Prozent an den AHS und BHS. Die Zahl der betreuten Fälle sinkt bundesweit von 70.100 auf 69.000. Diese Entwicklung trifft genau in einer
Phase, in der rund 230.000 Schüler*innen der Oberstufe besonders sensible Übergänge durchlaufen – vor allem im ersten Jahr an der weiterführenden Schule. Viele Eltern fragen sich daher, wie sie ihrem Kind weiterhin eine verlässliche Unterstützung beim Übergang von der Schule in die Berufswelt bieten können. Dieser Leitfaden gibt einen umfassenden Überblick über verfügbare Alternativen und konkrete Strategien für diese entscheidende Phase.
Was das Jugendcoaching geleistet hat – und warum die Kürzungen problematisch sind

Das Jugendcoaching bot eine individuelle Begleitung von bis zu zwölf Monaten, bestehend aus einem Erstgespräch und einer auf den Einzelfall abgestimmten Betreuung. Vorrangig unterstützt wurden Schülerinnen ab der 9. Schulstufe, Jugendliche mit erhöhtem Risiko eines Ausbildungsabbruchs sowie junge Menschen mit Behinderungen bis 25 Jahre.
Die aktuellen Kürzungen betreffen insbesondere die 230.000 Schülerinnen in der Oberstufe, wo präventive Unterstützung nun weniger leicht zugänglich ist. Praktisch führt dies zu längeren Wartezeiten und weniger präventiven Einsätzen an Schulen, die traditionell höhere Abbruchquoten aufweisen.
Schulinterne Unterstützungsangebote als erster Anlaufpunkt
Österreichische Schulen verfügen über interne Ressourcen, die vielen Familien nicht vollständig bekannt sind. Die Schüler- und Bildungsberatung, durchgeführt von speziell geschulten Lehrpersonen, bietet Orientierung bei Bildungswegen sowie psychosoziale Unterstützung.
Der schulpsychologische Dienst der Bildungsdirektionen steht für Fragen zu Lernschwierigkeiten und Entscheidungsprozessen zur Verfügung.
Der schulische Sozialarbeit wird laufend ausgebaut: Seit Herbst 2024 wurden 30 zusätzliche Stellen an Volks-, Mittel- und höheren Schulen geschaffen.
Alle diese Angebote haben einen wesentlichen Vorteil gemeinsam: Sie sind kostenlos, freiwillig und vertraulich. Eltern sollten sich direkt an das Klassenvorstand oder die Schulleitung wenden, um die vorhandenen Ansprechpersonen an der Schule ihres Kindes zu erfahren.
Externe Beratungsstellen für umfassende Unterstützung
Neben der Schule stehen österreichweit rund 400 geförderte Familienberatungsstellen zur Verfügung, die kostenlose Beratung zu Erziehung, schulischen Fragen und familiären Konflikten anbieten. Die nächstgelegene Einrichtung lässt sich über bundeskanzleramt.gv.at finden.

Auch die Kinder- und Jugendanwaltschaften in den Bundesländern unterstützen bei schwierigen Situationen.
Der Dienst Rat auf Draht (147) ist rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar. Das NEBA-Netzwerk führt Programme wie AusbildungsFit und die Ausbildungsassistenz auch trotz Budgetkürzungen weiter.
Für die meisten dieser Angebote ist keine Zuweisung erforderlich – ein direkter Kontakt reicht aus, wobei Wartezeiten je nach Region möglich sind.
Berufsorientierung durch das AMS nutzen
Die 73 BerufsInfoZentren (BIZ) des AMS in ganz Österreich bieten umfangreiche Informationsmaterialien und persönliche Beratung – und das auch ohne arbeitsuchend gemeldet zu sein.
Digitale Tools wie der AMS-Berufskompass, Interessentests oder der Ausbildungskompass erleichtern die Selbsteinschätzung.
Spezielle Programme wie die überbetriebliche Lehrausbildung stehen Jugendlichen ohne Lehrvertrag offen.
Auch Schüler innen können Beratungstermine buchen – online oder telefonisch – und im BIZ persönlich vorbeikommen.
Strategien, um Ihr Kind selbstständig zu unterstützen
Eltern können eine wirksame Begleitung strukturieren, indem sie offene Fragen zu Interessen, Stärken und Zukunftsvorstellungen stellen – ohne zusätzlichen Druck aufzubauen.
Eine gemeinsame Recherche auf Plattformen wie ausbildungskompass.at oder jugendportal.at unterstützt den Entscheidungsprozess. Praktische Erfahrungen wie Schnuppertage, Gespräche mit Berufsvertreter*innen oder Schul- und Betriebsbesuche bieten wertvolle Einblicke in Arbeitsfelder.
Ein Portfolio, das Interessen, Stärken und wichtige Erkenntnisse sammelt, hilft bei der Reflexion.
Auch das familiäre und freundschaftliche Umfeld kann entscheidende Informationen oder Kontakte vermitteln.
Der Entscheidungsprozess junger Menschen braucht Zeit und Toleranz. Zweifel und Umwege sind Teil einer normalen persönlichen Entwicklung und sollten als solche erkannt werden.