Zu einer Zeit, in der die Europäische Union den Kampf gegen den Klimawandel zur Priorität macht, erscheint Österreich zunehmend zurückgeblieben. Brüssel strebt eine Reduzierung der Emissionen um 90 % bis 2040 an, doch Wien weigert sich, dieses Projekt zu unterstützen, während es in internationalen Rankings fällt. Zwischen wirtschaftlichen Zwängen, Kritik von NGOs und inneren Spannungen scheint Österreich sich zunehmend von seinen eigenen Klimazielen zu entfernen.
Das Klimaranking zeigt Gewinner und Verlierer
Der Climate Change Performance Index (CCPI), vorgestellt auf der COP30 in Belém, zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Dänemark bleibt führend, gefolgt von Großbritannien und Marokko. Im Gegensatz dazu geraten arabische Länder und die USA weiterhin ins Hintertreffen, da sie ihre Energiepolitik nicht weiterentwickeln können.
In diesem Kontext verzeichnet Österreich einen der stärksten Rückschritte: Es fällt von Platz 23 auf Platz 35. Das Land gehört nun zur Gruppe der leistungsschwächsten Länder, belastet durch hohe Emissionen, eine als unzureichend bewertete Klimapolitik und einen zu hohen Energieverbrauch. Ein besorgniserregendes Signal für ein Land, das dennoch die Klimaneutralität bis 2040 erreichen will.
Klimapolitik ist „entscheidend“ im Kontext der wirtschaftlichen Abschwächung Österreichs
Laut Thea Uhlich, Co-Autorin des CCPI, erklärt sich der Abstieg Österreichs auch durch einen politischen Wandel. In einem Interview mit dem ORF erinnert sie daran, dass die neue Regierung mehrere wesentliche Maßnahmen abgeschafft hat, darunter die Klimaprämie, während gleichzeitig die Subventionen für fossile Energien erhöht wurden. Diese Entscheidungen haben die Gesamtbewertung des Landes stark belastet.
Vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Abschwächung erschwert diese „unvollständige“ Politik den österreichischen Klimakurs noch weiter. Experten schätzen, dass das Land nun ambitionierte Maßnahmen wieder einführen muss, wenn es seine Emissionen reduzieren und internationale Glaubwürdigkeit bewahren will.
Ein unmissverständliches Alarmsignal für die österreichische Klimapolitik
Für Jasmin Duregger, Expertin bei Greenpeace Österreich, stellt dieser Abstieg „ein klares Alarmsignal“ dar. Sie fordert ein ehrgeiziges Klimagesetz, einen schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energien, das Ende schädlicher Subventionen und die beschleunigte Ersetzung von umweltschädlichen Heizsystemen. Global 2000 teilt diese Ansicht: Ihr Sprecher Johannes Wahlmüller kritisiert die Budgetkürzungen im Klimaschutz und warnt vor dem Risiko eines vollständigen Verlustes der Ziele.
Einige positive Aspekte bleiben dennoch bestehen: ein hoher Anteil erneuerbarer Energien und das Ziel von 100 % grünem Strom bis 2030. Zwei Vorteile, die eine Möglichkeit zur Erholung eröffnen.
Die EU muss eine führende Rolle im Klimaschutz übernehmen
Laut Thea Uhlich erzielt die EU eine durchschnittliche Bewertung, verfügt jedoch über erhebliches Verbesserungspotenzial. Sie muss sich nun als globaler Akteur behaupten, insbesondere angesichts des Rückgangs der USA unter Donald Trump, der durch den Austritt aus dem Pariser Abkommen und die Verteidigung des fossilen Modells geprägt war.
China zeigt eine differenziertere Situation: starkes Wachstum der erneuerbaren Energien, aber langsamer Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Es könnte seinen Emissionshöhepunkt dieses Jahr oder 2026 erreichen, was die globalen Dynamiken verändern könnte. Schließlich zeigt Dänemark, dass eine langfristige Klimastrategie Früchte tragen kann.
Angesichts dieser Entwicklungen muss Österreich zwischen einer Beschleunigung seines Übergangs oder der weiteren Verlust von Boden im internationalen Klimawettbewerb wählen.