Tirol: Lawine am Stubaier Gletscher, 3 per Heli gerettet

Donnerstag, 27. November 2025, genau 9:27 Uhr. Der erste Schnee des frühen Winters, schöner Pulverschnee, ist reichlich auf den Stubaier Gletscher gefallen. Acht Skifahrer genießen unbeschwert den Tiefschnee. Drei Sekunden später erinnert der Berg daran, dass er keinen „Pause“-Knopf hat: Eine 200 Meter breite Schneebrett bricht ab, rauscht heran und verschlingt sie wie Strohhalme. Das ist kein Katastrophenszenario, sondern die wahre Geschichte einer Lawine, die zu einer nationalen Tragödie hätte werden können… und die fast wie durch ein Wunder mit drei Hubschraubern und null Särgen endete.

Was wirklich geschah: Der Moment, in dem sich alles änderte

Es ist genau  9:31 Uhr, als der erste Notruf eingeht. Auf dem benachbarten Skilift hat ein Zeuge gesehen, wie der Schnee auf der Daunscharte, einer bekannten, aber nicht gesicherten Off-Piste-Strecke, „explodiert“ ist. Innerhalb weniger Minuten wird die größte Rettungsaktion der Saison organisiert, mit 250 Personen, 8 Hubschraubern, 12 Lawinenhunden, aktiven deutschen Soldaten und sogar polnischen Rettungskräften, die zufällig vorbeikommen. Warum dieser Aufwand? Weil die Lawine einen Höhenunterschied von 400 Metern hat und eine markierte schwarze Piste überquert. Vor allem aber, weil die acht Skifahrer (fünf Deutsche, zwei Österreicher, eine Bulgarin) wie Profis ausgerüstet sind: mit Lawinenverschüttetensuchgeräten, Schaufeln, Sonden und vor allem auslösbaren Airbags. Die Ergebnisse lassen nicht lange auf sich warten: Sieben von ihnen werden in weniger als 15 Minuten gefunden, oft von ihren Begleitern selbst. Der achte, der unter 80 Zentimetern festem Schnee begraben ist, wird dank seines orangefarbenen Airbags gefunden, der noch einige Zentimeter aus dem Schnee herausragt. Um 13:20 Uhr wird die Suche eingestellt. Drei Leichtverletzte (Schädel-Hirn-Trauma, Knochenbrüche) werden mit dem Hubschrauber nach Hall in Tirol geflogen. Die fünf anderen lehnen einen Krankenhausaufenthalt ab.

Warum diese Lawine niemanden hätte überraschen dürfen

Denn paradoxerweise war die Antwort bereits im Lawinenbericht des Tages zu finden: erhebliche Gefahr (3/5), „große Schneebretter, die leicht von einem einzelnen Skifahrer ausgelöst werden können“. Die Versuchung ist zu groß: 40 cm Neuschnee am Vortag, schönes Wetter, Gletscher seit nur einem Monat geöffnet… Freeskifahren im Stubai ist ein bisschen wie der Wilde Westen der österreichischen Alpen, mit Skigebieten, die ein Auge zudrücken, solange das Gelände von den Pisten aus „einsehbar“ ist. Pech gehabt, diesmal verbirgt sich die grobkörnige Schneebrettlawine unter einer dünnen, scheinbar harmlosen Schneeschicht, die vom Wind aufgewirbelt wurde. Das Ergebnis: Ab Freitag schließt das Skigebiet drei ganze Couloirs, schreibt obligatorische Briefings vor und schmückt sich mit Schildern mit der Aufschrift „Eigenverantwortung” in Hülle und Fülle. Und wie jedes Jahr, nach dem schweren Unfall, der Geschichte schreibt, wiederholen die örtlichen Bergführer vor der Meute von Journalisten den abgedroschenen Satz: „Man fährt nicht Ski in den Bergen, man verhandelt mit ihnen.”

Der 27. November hätte leider zu den traurigen Jahren mit 20 bis 30 Todesfällen pro Jahr in Österreich gehören können. Doch dem war nicht so: 8 gerettete Leben dank Teamarbeit, schneller Hilfe und Glück. Der Berg hat eine Schlacht gewonnen, aber nicht den Krieg.

Wie werden Sie den nächsten Pulverschnee befahren? Mit einem Bergführer und einem wachen Verstand, hoffe ich. Denn Hubschrauber kommen nicht immer innerhalb von drei Minuten.

Am 27. November 2025 hat die Lawine am Stubaier Gletscher erneut gezeigt, dass Skifahren abseits der Pisten ein Risikosport bleibt. Dank einer kompletten Ausrüstung (Lawinenverschüttetensuchgerät, Airbag) und einer blitzschnellen Rettung kamen die acht Skifahrer mit leichten Verletzungen davon.

Im Jahr 2025 macht die Erderwärmung die Lawinenlage unberechenbarer: Das Lawinenbulletin zu überprüfen und einen Bergführer in Betracht zu ziehen, ist keine Option mehr, sondern die Regel. Fahren Sie clever und sicher Ski. Teilen Sie Ihre Tipps in den Kommentaren!

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